Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth – Test

7. März 2010 | 21:00 Geschrieben von : Keine Kommentare

Nachdem Phoenix Wright in Trials and Tribulations nicht mehr ganz so taufrisch wirkte und Apollo Justices erster Auftritt im gleichnamigen Ableger eher einem Gastspiel gleichkam, bekommt erstmals Staatsanwalt Miles Edgeworth eine Hauptrolle spendiert. Miles Edgeworth ist noch immer der gleiche unveränderte Charakter, den man im Laufe der gesamten Ace-Attorney-Reihe kennenlernen durfte. Er ist hinterhältig, besitzt eine große Prise Selbstvertrauen, zeigt wenig Emotionen, kommt auf den Punkt und wirkt auf andere einschüchternd. Und überhaupt baut man wieder eine starke emotionale Verbindung zu ihm und anderen Charakteren auf.

An seiner Seite findet man stets Ermittler Dick Gumshoe, der Dinge kommentiert und im Grunde noch immer ein totaler Chaot ist, der Edgeworth in den Hintern kriecht und größtenteils keine großartige Hilfe für ihn ist. Eben wie gewohnt. Ursprünglich sollte Ema Skye ihr eigenes Spiel bekommen, doch Capcom entschied sich dann durch eine große Fanumfrage doch für Miles Edgeworth.

Das hat uns gefallen

Ermittlungen statt Gerichtsverhandlungen: Nehmt ihr euch der ersten Mission an, so fällt sofort auf, dass hier doch irgendetwas anders ist. Capcom zeigte Mut zur Veränderung. Und es ist mit Sicherheit die Größte Veränderung, die die Entwickler anstrebten. Es gibt keine einzige Gerichtsverhandlung mehr und ihr seht aich keinen einzigen Gerichtssaal mehr von innen. Stattdessen untersucht man mit Edgewort den jeweiligen Tatort, führt Gespräche mit Anwesenden oder mit dem eigenen Team und muss herausfinden, was genau passiert ist. Hier liegt auch gleichzeitig der Vorteil: Als Miles Edgeworth kann man viel tiefer in die Ermittlungen eintauchen, als es Phoenix Wright und Apollo Justice durften. Im Gegensatz zu den Vorgängern, wechseln sich daher nicht die Ermittlung und der Gerichtsteil ab, wodurch viel mehr Dynamik in das Spiel und man nicht unterbrochen wird.

Und da ja die Gerichtsverhandlungen der wichtigste und beliebteste Bestandteil der Ace Attorney-Reihe sind, muss nicht vollkommen auf Kreuzverhöre verzichtet werden. Denn diese sind wieder mit dabei und bieten altbewährte Kost. Auffällig ist aber, dass die Kreuzverhöre nicht so häufig auftreten, sondern gleichmäßig über das Spiel verteilt wurden.

Sofort ins Auge stechen dürfte euch auch die Perspektive der Ermittlungen, denn die wird nicht mehr aus der Ego-Ansicht dargestellt, sondern Edgeworth, Gumshoe und die anderen Charaktere seht ihr von ihrer Seitenansicht aus. Ihr könnt euch frei in der jeweiligen Szene und am jeweiligen Ort bewegen, allerdings nicht direkt von Szene zu Szene wechseln. Erst wenn ihr alles untersucht habt, geht es in die nächste Szene. Für Einsteiger ist das Spiel dadurch etwas weniger komplex gehalten. Gesteuert wird Edgeworth wahlweise mit dem Stylus oder dem Steuerkreuz. Witzigerweise weicht, wie bereits erwähnt, Gumshoe nicht mehr von eurer Seite, was auch gleichzeitig dessen Abhängigkeit zeigt.

Neu, aber doch irgendwie alles beim Alten: Ein wichtiges Untensil ist mal wieder die Gerichtsakte, in der Personen und Objekte bzw. Gegenstände festgehalten werden. Auch lassen sich einige Gegenstände in ihrer 3D-Ansicht begutachten, was man bereits von den Vorgängern kennt und was auch viel Spaß macht, da man auffällige Stellen suchen kann. Befindet man sich gerade in einem Kreuzverhör oder einem normalen Gespräche, lässt sich nahezu jedes Objekt aus der Gerichtsakte dem Gegenüber zeigen, um eine Reaktion zu erhalten oder einschüchtern zu wirken.

Während ihr euch in den Ermittlungen befindet, könnt ihr Objekte genauer untersuchen und verdächtige Dinge ausmachen. Ab und zu lassen sich auch – wie bereits aus den Vorgängern bekannt – die Szenen in der Ego-Perspektive absuchen. Gleich bei der ersten Mission gibt es ein Opfer, das am Boden liegt. Dort schaltet das Bild in die Großansicht und ihr könnt etwa seine Geldbörse oder bestimmte Stellen auf seinem Körper mit einem Fadenkreuz absuchen. Hin und wieder tut sich auch die Möglichkeit auf, Widersprüche am Tatort zu finden. Dabei handelt es sich quasi um das visuelle Äquivalent von Kreuzverhören, um gewisse Unstimmigkeiten zu finden. Natürlich dürfen auch die Zwischenrufe nicht fehlen, die sich ebenfalls wieder in das Mikrofon rufen lassen.

Die Logik und Rekonstruktion: Während den Ermittlungen kommt ein neues Feature zum Einsatz: Die Logik. Edgeworth speichert alle wichtigen Details in seinem Kopf, um sie jederzeit abrufen zu können. Hier ist es so, dass man zwei Details gegenüberstellen und schließlich kombinieren muss. Sollte die Kombinationsgabe von euch ausgeprägt genug sein, erhaltet ihr nach einer erfolgreichen Durchführung neue Informationen, die euch bei eurer Ermittlung weiterhelfen. Sollte es sich herausstellen, dass zwei Details von der Logik her nicht zusammenpassen, verliert man etwas Energie vom Wahrheitsbalken. Da sich das Spiel aber jederzeit speichern lässt und der Energiebalken im Vergleich zu den Vorgängern etwas mehr aushält, sollte das kein großes Problem darstellen. Durch diese Energieanzeige überlegt man außerdem viel intensiver und zögert im letzten Augenblick dann doch, um nochmals alles genau durchzugehen.

Neu ist auch die Rekonstruktion, die ebenfalls frischen Wind in das Jura-Abenteuer bringt. Ein rekonstruktierter Tatort lässt sich begehen, wo man nochmals den Tathergang aufgreift und etwas genauer untersucht. Gemeinsam mit den bisher bei den Ermittlungen gesammelten Details können dadurch neue Informationen auftauchen, die man so noch nicht gesehen hat.

Die technische Seite: Die technische Seite ist den Entwicklern mal wieder super gelungen. Die Gesichtsausdrücke und Emotionen während der Gespräche sind einfach fantastisch in Szene gesetzt und tragen viel zu dem Witz und Charme bei. Befindet man sich in der „Third-Person-Ansicht“, sieht man, dass die einzelnen Charaktere durch klassische Sprites erstellt wurden. Auch hier können die Animationen punkten, indem sie etwa die Emotionen durch den gesamten Körper gleiten lassen. Da Gumshoe in Edgeworth ein Vorbild und auch mehr als nur einen Vorgesetzten sieht, stampft er wütend auf den Boden auf, sobald jemand etwas negatives über sein „Idol“ sagt.

Neben der visuelle Göttlichkeit, überzeugt abermals der Soundtrack. Er ist gänzlich an die bekannten Melodien angelehnt und bietet das volle Spektrum an Action, Spannung und Gemütlichkeit. Mit dabei sind aber auch die klassischen Geräusche, die ihr etwa beim Auswählen oder Speichern erhaltet.

Das hat uns weniger gefallen

Englische Sprache: Bisher erschien jedes Ace Attorney in deutscher Sprache, mit Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth aber hat sich das geändert. Das Spiel ist im deutschsprachigen Raum ausschließlich auf Englisch erhältlich. Einzig das Benutzerhandbuch ist auf Deutsch und Französisch gehalten.

Schuld an der fehlenden Übersetzung sind die beiden letzten Spiele, die sich hierzulande nur sehr schleppend verkauften, weil unter anderem der dritte Teil ein Jahr später und sogar erst nach dem vierten Teil erschien. Dadurch wurden die Spiele uninteressanter und einige Spieler haben sich ihr Exemplar einfach im Ausland geholt. Immerhin kam das Spiel nur zwei Tage später als in Amerika auf den Markt.


Schlusswort

Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth ist genau das geworden, was man von einem neuen Ace Attorney-Teil erwartet hat. Alles wirkt sehr viel frischer und abwechslungsreicher, da Capcom Mut zu einer Generalüberholung zeigte. Gerade das Kombinieren von Informationen und die intensivere Ermittlung sind ein richtiger Schritt in die Zukunft. Aber auch die insgesamt fünf Fälle sind durchdacht, immer logisch nachzuvollziehen, spannend erzählt und bieten einige überraschende Wendungen. Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth macht trotz der fehlenden deutschen Sprache unheimlich viel Spaß und zaubert jedem Fan ein Lächeln auf die Lippen. Wir sprechen nicht nur für Fans eine klare Kaufempfehlung aus.

Wer noch skeptisch ist und vor dem Kauf das Spiel gerne Probe zocken möchte, der kann unter ace-attorney.com eine Demo direkt in seinem Browser spielen.

Das Spiel könnte interessant sein für: Ace Attorney-Fans, angehende Staatsanwälte / Juristen

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