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Expeditions – Conquistador für PC im Test / Review

3. Juni 2013 | 10:00 Geschrieben von : Keine Kommentare

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Mit Expeditions – Conquistador brachte Entwickler  Logic Artists ein Strategiespiel mit Rollenspiel-Elementen auf den Markt, das vorher teilweise über Kickstarter finanziert wurde. Wir haben uns das Spiel angeschaut und sagen euch, was wir davon halten. Schon einmal vorweg: wer auf komplexe Strategiespiele steht, wird hiermit seine Freude haben.

In Expeditions – Conquistador schlüpft ihr in die Rolle eines spanischen Eroberers einer Expedition, mit der ihr erst die Insel Hispaniola und danach das mexikanische Festland unsicher macht. Dabei greift das Spiel die Thematik um die Eroberung der amerikanischen Kontinente und die Unterwerfung der dort lebenden eingeborenen Völker auf.

Am Anfang erstellt ihr euch einen eigenen Hauptcharakter, wobei ihr hier nicht nur das Geschlecht wählen, sondern ebenso Punkte in verschiedene Fertigkeiten investieren müsst, darunter etwa Erkundung, Medizin, Diplomatie und Taktik. Je nachdem, welche Fertigkeiten ihr wie steigert, bekommt ihr verschiedene Boni bzw. Vorteile. Es ist daher sinnvoll schon von Anfang an zu überlegen, in welche Richtung man in etwa gehen möchte. Und hier kommt dann auch die eigene Crew ins Spiel – insgesamt zehn Teammitglieder müsst ihr wählen, die allesamt unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Die Auswahl fällt zu Beginn eher schwer, werdet ihr doch mit zahlreichen Figuren mit unterschiedlichen Hintergrundgeschichten konfrontiert.

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So gibt es hier Soldaten, die nicht nur auf dem Schlachtfeld Meister ihrer Künste sind, sondern ebenso nachts in der Ruhephase gut wachen. Die Jäger hingegen sind gerade bei der Nahrungssuche von Vorteil, während die Mediziner entsprechend Verwundete versorgen. Und die Kundschafter können die Umgebung besser infiltrieren als die Wissenschaftler, die wiederum Fallen erschaffen und Tränke brauen können. Jede Klasse hat ihre Vor-und Nachteile – und genau aus diesen müsst ihr euer Team zusammenstellen. Dabei sollte man darauf achten, eine möglichst ausgewogene Crew zu haben. Wem das wiederum zu komplex ist, lässt sich vom Computer einfach automatisch ein ausgewogenes Team zusammenstellen.

Übrigens schließen sich euch im Laufe des Spieles weitere Mitglieder an, andere wiederum treten aus. So gab es bei uns relativ nah am Anfang nachts am Lagerfeuer eine Unterhaltung mit einem eher jüngeren Soldaten, der auf das große Abenteuer aus ist und von einer anderen Expedition gehört hat. Er fragt uns, ob wir es ihm gestatten würden, auf die andere Expedition gehen und somit  unsere Crew verlassen zu dürfen. Ihr könnt tatsächlich selbst entscheiden, ob ihr ihm das erlaubt oder nicht – jeder Abenteurer eurer Truppe hat seine eigene Geschichte zu erzählen und reagiert auf eure Entscheidungen anders. Unterwegs kommen immer wieder mal solche zufällige Ereignisse, denen ihr euch annehmen müsst.

Einige eurer Entscheidungen haben auch gewisse Einflüsse auf später oder den Fortlauf von Diskussionen. So kann man zum Beispiel in manchen Gesprächen vorbildlich und verständnisvoll antworten oder eher überstürzt und ein wenig rebellisch. Darüber hinaus können Entscheidungen bzw. eure Antworten zum Kampf führen oder gar Situationen friedlich klären. Ihr könnt etwa den Eingeborenen gut zureden oder direkt zum Kampf übergehen, ohne ihnen auch nur eine Chance zum Erklären zu geben. Letztendlich muss nicht immer gekämpft oder ein und derselbe Weg gegangen werden – entscheidet ihr. Zudem nehmen die Entscheidungen großen Einfluss auf die Moral der eigenen Crew, so dass diese im Laufe der Zeit so ihre Probleme mit eurer Art und Weise bekommen kann – je nach Charakter und politischen oder auch religiösen Ansichten der jeweiligen Figur.

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Der Einstieg ist äußerst zäh und ziemlich komplex, vor allem wenn man derartige Spiele kaum bis gar nicht spielt. Zu Beginn kommt ihr auf Hispaniola an, wo euch der dortige Gouverneur alles wieder nimmt. Erst müsst ihr ihn davon überzeugen, dass ihr es wert seid, euer Vorhaben zu unterstützen. Und Hilfe braucht er passenderweise auch noch, steht er doch mit den Eingeborenen und den abtrünnigen Soldaten auf Kriegsfuß. Was hier in dieser Anfangszeit folgt, ist das langsame Heranführen an die Spielmechanik. Was euch definitiv sofort auffallen wird: Expeditions – Conquistador ist enorm textlastig. Wer nicht gerne liest, wird mit dem Spiel seine Probleme haben. Und wer kein Englisch kann, der sowieso. Denn im Moment ist Expeditions – Conquistador nur auf Englisch und Spanisch erhältlich, eine deutsche Version soll aber noch folgen.

Euch wird unter anderem gelehrt, dass ihr gefälligst regelmäßig eure Ressourcen auffrischen solltet (etwa in Siedlungen), sind diese doch für das Überleben wichtig. Schließlich wollen die Männer und Frauen in der Crew nicht nur bezahlt, sondern unter anderem mit Nahrung und Medizin versorgt werden. Außerhalb der Siedlungen erhaltet ihr eine bestimmte Anzahl an Spielzügen, mit denen ihr euch von Punkt A nach Punkt B oder zu irgendeiner anderen beliebigen Stelle bewegt, was vor allem am Anfang sehr nervig ist. Habt ihr das Limit erreicht, müsst ihr zwangsweise rasten und an dieser einen Stelle eine Nacht verbringen.

Expeditions-Conquistador7Hier betreibt ihr noch ein wenig Mikromanagement, stellt Wachen auf, lasst Kundschafter die Gegend inspizieren, die Jäger frisches Fleisch bringen und heilt Wunden. Hier kommt es auf die verschiedenen Charakterwerte sowie den Standort des Lagers an, wie die jeweiligen Mitglieder in dieser einen Nacht abschneiden. Manchmal bringen die Jäger kein Wild und füllen somit auch nicht die Ressourcen auf, während diese weniger werden, nachdem man zuvor reichlich gespeist hat. Auch kann es passieren, dass einige Wachen mit Blessuren zurückkommen und manche gar nicht mehr, wenn sie überfallen wurden.

Habt ihr die Nacht überstanden, erhaltet ihr frische Spielzüge und schreitet voran, bis diese erneut aufgebraucht sind oder ihr in eine Siedlung kommt, wo ihr euch frei bewegen könnt. Solltet ihr unterwegs auf einen Kampf treffen, was übrigens anfangs durchaus bis zu zwei Stunden dauern kann (zählt man mal den Übungskampf nicht mit), so schaltet die jederzeit in 3D freischwenkbare Welt in eine kleine Kampfansicht um, die mit sogenannten Hexfeldern ausgestattet ist.

Simpel ausgedrückt steht man hier auf einem Spielbrett, wo man Runde für Runde gegen Gegner kämpft. Dabei kann es sein, dass man selbst oder die Gegner Vorteile sowie Nachteile aus der jeweiligen Umgebung ziehen, wie etwa durch Erhöhungen. Vor einem Kampf werden bis zu sechs Mitglieder ausgewählt, wobei man hier natürlich die jeweiligen Klassen bzw. Fähigkeiten berücksichtigen sollte. Wem das aber auch hier zu komplex ist, kann sich das automatisch wieder vom Computer auswählen lassen.

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Soldaten sind vor allem für Nahkampfangriffe vorteilhaft, während die Jäger aus größerer Distanz die Gegner unter Beschuss nehme. Die Kundschafter hingegen können wiederum nicht schießen, haben dafür einen besseren Bewegungsradius. Wer einen Forscher mit im Team hat, kann mit diesem die restlichen Mitglieder unterstützen und so etwa den Bewegungsradius vergrößern. Unterdessen lässt sich jede einzelne Einheit je nach Bedarf in den Nahkampf- und Fernkampf-Modus schicken, um sich so auf die jeweilige Situation anzupassen. Spannend und fordernd sind die Kämpfe vor allem durch die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten des Vorgehens – ihr könnt auch in Deckung hinter Objekten gehen und die Gegner flankieren. Sobald ihr eure Züge abgeschlossen habt, ist natürlich der Feind an der Reihe und lässt seine Muskeln spielen – habt ihr aber entsprechend vorgesorgt, so hat er vielleicht gar keine Chance.

Expeditions-Conquistador4Mit der Zeit lassen sich die Fähigkeiten eurer Mitglieder verbessern, wie etwa durch mehr Gesundheit oder durch mehr Schaden beim anderen Geschlecht. Zudem erhält man später mehr Spielzüge, so dass das Bewegen und Erkunden im Laufe des Spieles bzw. in dem Bereich außerhalb der Karte angenehmer wird (aber trotzdem noch nervig ist). Dort sammelt ihr nicht nur während der nächtlichen Ruhephase Ressourcen, sondern ebenso während ihr euch bewegt – zumindest wenn ihr dabei auf Kisten und Co. trefft, in denen sich etwas befinden könnte. Doch meist ist hier ein kleiner Umweg nötig, der wiederum Spielzüge kostet. Ihr müsst selbst entscheiden, ob ihr auf eurem Weg schneller vorankommen oder einen Umweg nehmen wollt, um potentielle Ressourcen aufzugreifen oder die Umgebung zu erkunden. Die Ressourcen bzw. Rohstoffe können je nach Art dazu verwendet werden, um neue Dinge herzustellen, darunter Tränke, Fallen oder bessere Zelte.

Seid ihr wieder zurück in einer Siedlung, könnt ihr dort Ressourcen tauschen bzw. verkaufen und kaufen. Ebenso findet ihr hier Rüstungen und Waffen auf dem Marktplatz, um eure Crew noch besser auszurüsten. Wie viel Geld ihr haltet oder bezahlen müsst, kommt immer auf das Angebot und die Nachfrage an. Ein wenig Abwarten und Umdenken ist hier schon erforderlich, will man denn Schnäppchen machen und das Meiste herausschlagen. Manchmal kann es sich lohnen, erst auf dem Marktplatz einer anderen Siedlung zuzuschlagen.

Fazit

Expeditions – Conquistador ist für Neueinsteiger sehr komplex und lässt vor allem im Einstieg ein wenig Frust aufbauen, ist dieser doch äußerst zäh und langatmig, ohne wirklich viel Abwechslung zu bieten. Besonders nervig sind die wenigen Spielzüge, die man insgesamt pro Tag nutzen darf.

Das Spiel aber ist eine interessante Mischung aus rundenbasierte Strategie und Rollenspiel, was auch konsequent durchgezogen wird. Ihr nehmt Aufträge an, kämpft taktisch gegen Feinde, betreibt etwas Mikromanagement, kümmert euch um eure Crew, führt Diskussionen, rüstet euch neu aus, teilt Fähigkeiten zu, trefft einflussreiche Entscheidungen, erkundet die Umgebung und folgt der durchaus unterhaltsamen Geschichte.

Was uns vor allem sehr gefällt, sind nicht nur die verschiedenen Entscheidungen, mit denen man das weitere Vorgehen von Feind und Freund beeinflussen kann. Auch die Gespräche mit Crew-Mitgliedern am Lagerfeuer sind nicht aus dem Spiel wegzudenken und bringen eine wichtige Würze mit hinein. Besonders die Gespräche sorgen dafür, dass man dann doch eine gewisse Bindung mit ihnen eingeht.

Expeditions – Conquistador ist derzeit nur auf Englisch und Spanisch über Steam und GOG erhältlich, eine deutsche Version soll aber noch folgen. Wem die derzeit zur Verfügung stehende Sprache nicht davon abhält, endlose Textpassagen lesen und auf ein spaßiges, wenn auch etwas holpriges Abenteuer gehen zu wollen, sollte definitiv einen Blick wagen.

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