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Test Drive Ferrari: Racing Legends im Test

16. Juli 2012 | 09:00 Geschrieben von : Keine Kommentare

Die Sportwagen des Kultautobauers Ferrari stehen schon seit Anbeginn für Luxus. Wer bisher nur in seinen Träumen in den Genuss der meistens roten Boliden gekommen ist, für den stellt Entwickler Slightly Mad Studios (Need for Speed: Shift 1 und 2) mit dem kürzlich veröffentlichten Test Drive Ferrari: Racing Legends gleich 51 der italienischen Sportwagen vors Haus.

Darunter finden sich alle wichtigen Ferraris aus dem gesamten Fahrzeugkatalog: Angefangen vom Ferrari 125 S aus dem Jahr 1947, dem F40 aus dem Jahr 1987, dem Testarossa von 1984 bis hin zum F50 von 1996, dem Enzo (2002), dem F430 (2004), F2007 (2007) und dem 458 Italia (2009). Selbst der Formel-1-Schlitten 150° Italia aus dem Jahr 2011 hat es ins Spiel geschafft.

Test Drive Ferrari: Racing Legends ist wie eine Zeitmaschine, was nicht nur der Fuhrpark klarmacht, sondern vor allem der Karrieremodus. Hier habt ihr drei sehr umfangreiche Kampagnen zur Auswahl. Einmal die goldene Ära (1947 bis 1973), dann die silberne Ära (1974 bis 1990) und die moderne Ära (1990 bis heute). Ihr könnt selbst wählen, mit welcher Ära bzw. Epoche ihr starten wollt – der beste Einstieg dürfte wohl direkt bei der goldenen Ära liegen.

Die jeweiligen Fahrzeuge sehen sehr modelliert aus und bieten darüber hinaus auch eine Cockpit-Ansicht, die euch die Armaturen und das Lenkrad vor die Augen setzt, während der virtuelle Fahrer hin und wieder seine Finger bewegt und nicht ganz so starr das Lenkrad festhält, wie es üblicherweise in Rennspielen der Fall ist. Wer möchte, kann natürlich unter anderem die Stoßstangenansicht wählen oder dem Fahrer über die virtuelle Schulter schauen, was gerade bei Cabrios gut aussieht.

Das technische Grundgerüst ist nahezu identisch zu den beiden Spielen Shift und Shift 2, die ja ebenfalls von den Slightly Mad Studios entwickelt wurden. Den aus Shift bekannten Tunnelblick gibt es nicht und hier und da fehlen dann noch ein paar zusätzliche Effekte bzw. optische Finessen. Im Großen und Ganzen kann sich das Spiel aber sehen lassen, auch wenn die Strecken nicht immer ganz so detailliert wirken. Witzig ist aber, dass sich die Strecken mit der Epoche ein wenig verändern. Während der Asphalt in der goldenen Ära größere Rissen und Unebenheiten zeigt, sieht man in der modernen Ära kaum mehr etwas davon. Das gilt natürlich auch für den Streckenrand, wo dann modernere Gebäude ihre Verwendung finden.

Darüber hinaus warten auf euch kernige Motorensounds. Dass es die Slightly Mad Studios auch in diesem Bereich draufhaben, bewiesen sie bereits mit Shift. Zwar fehlt im Vergleich zur Shift-Reihe dieses Extreme beim Gasgeben, was einen nahezu spürbar in den Sitz zu drücken scheint, aber das Geschwindigkeitsgefühl kommt mit der Soundkulisse sehr gut rüber. Und damit das Ganze noch ein wenig abgerundet wird, gibt es an einigen Stellen orchestralen Soundtrack zu hören – gerade im Hauptmenü möchte man manchmal einfach nur verweilen, um die Musikstücke zu genießen. Was hingegen extrem nervig ist, ist der unprofessionelle und ständig anwesende Boxenfunk. Der geht schon beim ersten Mal auf die Nerven.

Habt ihr euch beispielsweise für die goldene Ära entschieden, startet ihr ganz unten auf der Karriereleiter. Ihr müsst den allerersten Ferrari fahren und testen. Im Laufe des Spieles steigt ihr immer weiter auf, ohne dabei aber wirklich das Gefühl zu haben, große Schritte zu machen. Die Missionen werden nur mit ein paar Textabschnitten eingeleitet und sagen euch, was ihr zu tun habt.

Mal seid ihr nur Testfahrer und später geht es dann als Rennfahrer auf die Strecke, während ihr beispielsweise ganz klassisch Rennen gewinnen oder auch mal den Abstand zum einem anderen Fahrer nicht zu weit verringern dürft. Hintergrundinformationen zu eurem Charakter oder auch zu den Autos selbst fehlen gänzlich. Hier hätte man viel mehr herausholen können, am Ende sind es nur irgendwelche Aufgaben, die ihr nacheinander antretet. Immerhin sind das nicht zu wenig, mehrere Hundert gibt es davon, wodurch ihr eine längere Zeit am Bildschirm gefesselt werdet. Solltet ihr denn mit den Frustmomenten des Spieles klarkommen.

Einerseits lassen sich die Autos völlig unterschiedlich steuern. Man merkt, dass man in einem alten Klassiker ohne Servolenkung sitzt, während sich ein moderner Ferrari mit mehr Technik unter der Karosse entsprechend anders auf der Strecke verhält. Die Steuerung ist im Grunde sehr anspruchsvoll, zumal man wie von einem Rennspiel gewohnt verschiedene Hilfen hinzuschalten kann. Die Sache ist aber die, und das ist für eine Simulation wirklich schon ein Trauerspielchen, dass man die Hilfen – wie etwa ABS und Co. – nicht einzeln aktivieren und deaktivieren kann. Stattdessen gibt es nur drei verschiedene Modi, darunter einen für Anfänger, in dem sämtliche Fahrhilfen aktiviert sind. Weshalb man die Fahrhilfen nicht einzeln aktivieren und deaktivieren kann, bleibt völlig unklar und unverständlich.

Und andererseits ist da noch das Problem, das auch schon die Shift-Reihe hatte: Trotz der guten Fahrphysik brechen die Fahrzeuge selbst in den kleinsten Kurven aus, wodurch das Ganze mehr zu einer Schlitterpartie verkommt. Mit etwas Übung bekommt man das ganz gut in den Griff, aber das ständige Ausbrechen des Hecks, gerade bei den neueren Rennschlitten, mindert dann doch den Spielspaß. Besonders dann, wenn man unfreiwillig eine Abkürzung nehmen musste und dafür eine Verwarnung vom System erhält oder gar gleich ganz disqualifiziert wird. Umso frustrierter ist das, wenn man die KI beobachtet, die kaum Fehler macht und ihre Autos selbst bei höheren Geschwindigkeit wie auf Schienen durch die Kurven lenkt.

Ein wenig schade ist auch, dass sich die einzelnen Fahrzeuge nicht in ihren Eigenschaften einstellen lassen, wie etwa Fahrwerk oder Reifenwahl. Wie es heißt, würden Ferraris bereits ein perfektes Setup besitzen, wodurch man sie nicht noch anpassen müsse. Ein wenig Tuning wäre dennoch ganz nett gewesen, und sei es nur optisches Tuning.

Inwieweit da der Konzern Ferrari seine Finger mit im Spiel hatte, bleibt unklar. Definitiv seine Finger mit im Spiel hatte Ferrari beim Schadensmodell. Das ist vielen Fahrzeughersteller immer wieder ein Dorn im Auge, weshalb einige Rennspiel gänzlich darauf verzichten. So auch Test Drive Ferrari: Racing Legends, wo sich nach Rempeleien nur ein paar Kratzer und kleinere Beulen finden.

Test Drive Ferrari: Racing Legends verzichtet auch auf Wetter. Und auch waschechte Nachtfahrten fehlen, selbst wenn man hin und wieder im Dunkeln mit seinem Boliden die Strecken unsicher macht. Apropos Strecken, insgesamt 39 davon gibt es, wobei es unter anderem nach Monza, auf den Hockenheimring, Silverstone und die Nordschleife geht. Mit Misty Loch findet sich eine einzige fiktive Strecke in der Auswahl. Wie bereits erwähnt, verändern sich die Strecken entsprechend der Epoche.

Witzig ist auch, dass sobald ein Rennen aus der goldenen Ära gestartet wird, das Bild erst ein Schwarz-Weiß ist und es sich langsam in ein normales farbiges Bild verwandelt. In der silbernen Ära wurde ein anderer Kamera-Filter verwendet, der deutlich macht, dass man in der Vergangenheit unterwegs ist. Etwas schade ist, dass man nicht optional mit den Filtern die Rennen bestreiten kann, um etwa durchgängig in Schwarz-Weiß zu fahren.

Neben dem Karriere-Modus und der Möglichkeit, direkt ein eigenes Rennen zu erstellen, könnt ihr auch online im Multiplayer zocken. Wir testeten die Xbox-Version und fanden nahezu fast immer Mitspieler – in der Regel bis zu 5 weitere Spieler. Die restlichen unbelegten Plätze werden vom Computer aufgefüllt, so dass es nicht allzu leer auf der Rennstrecke aussieht, sollte sich beispielsweise nur ein Mitspieler finden lassen. Leider sind das am Ende dann doch zu wenig Spieler, um auf Dauer auch ohne KI bzw. Computer fahren zu können. Und da erfahrungsgemäß nach der Veröffentlichung eines Spieles die Spieler nicht unbedingt mehr werden, sondern weniger, wird sich daran wohl auch nicht mehr viel ändern.

Fazit

Test Drive Ferrari: Racing Legends ist bei Weitem kein schlechtes Spiel. Die Fahrzeuge sind detailliert, die Motorensounds hören sich fantastisch an, die Fahrphysik macht Spaß und der Umfang kann sich sehen lassen. Klingt doch nach einem spitzenmäßigen Rennspiel. Wäre es auch, wenn da die Frustmomente und die Einschränkungen sowie Ungereimtheiten nicht wären. Die Fahrzeuge brechen ganz gerne mal aus – Shift lässt grüßen – und drei Modi  geben vor, mit welchen Fahrhilfen gefahren wird.

Tuning gibt es nicht, dafür aber eine stellenweise unfaire KI mit einem kleinen Gummibandeffekt, und der Schwierigkeitsgrad ist mitunter ziemlich knackig – selbst für erfahrene Rennspieler. Wer keine großen Ansprüche an ein Rennspiel hat und auf die Marke Ferrari steht, wird mit Test Drive Ferrari: Racing Legends sicher seinen Spaß haben. Erwartet aber kein Forza Motorsport oder Gran Turismo.

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