Vom Wolf zum Nintendog

11. Oktober 2011 | 11:15 Geschrieben von : Keine Kommentare

Nintendo veröffentlichte eine Pressemitteilung, in der einige interessante Dinge zu Wölfen und Hunden sowie deren Beziehung zu den Menschen steht. Die Pressemitteilung haben wir direkt kopiert:

Der eine gibt den Bösewicht in Märchen und Sagen, der andere gilt als bester Freund des Menschen – aber beide entstammen derselben Familie: den Canidae, wie die Biologen Wölfe und Hunde nennen. Alle unsere braven Haushunde stammen vom „bösen“ Wolf ab und doch haben wir zu keinem anderen Tier eine innigere Beziehung entwickelt als zu den Nachkommen der gefürchteten Räuber. Länger als jedes andere Haustier begleitet der Hund uns durch die Geschichte. Der Beginn dieser wunderbaren Freundschaft liegt in der Steinzeit und bis heute hat sie alle Wechselfälle und Veränderungen überdauert. Kein Wunder, dass auch die Kinder des Computerzeitalters Hunde lieben – die realen ebenso wie die virtuellen in elektronischen Spielen wie dem Nintendo-Titel nintendogs + cats.

Der Wolf ist uns Menschen bis heute ein wenig unheimlich – vielleicht weil er uns in vielem so ähnlich ist: Wie wir selbst, sind Wölfe gesellige Wesen, die ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen. Sie streifen in Rudeln umher, genau so wie es die Horden unserer Vorfahren als Jäger und Sammler über Hunderttausende von Jahren getan haben. Die frühen Menschen fürchteten die Wölfe als Raubtiere und Nahrungskonkurrenten. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – haben einige von ihnen irgendwann einzelne Wölfe zu Mitgliedern ihrer Horde gemacht, als Jagdgefährten und Beschützer. So wurden Wolfshunde zu den ersten Haustieren.

Das geschah wahrscheinlich unabhängig voneinander an verschiedenen Orten der Erde. Über das Wann allerdings streiten die Gelehrten. Einige meinen: schon vor über 130.000 Jahren. Der älteste erhaltene Pfotenabdruck eines Hundes ist 23.000 Jahre alt. Neuere Forschungen vermuten, dass der Wolf nicht vom Menschen gezähmt wurde, sondern von sich aus dessen Nähe gesucht und sich sozusagen selbst domestiziert hat. Die ältesten archäologischen Beweise für das Zusammenleben von Mensch und Hund stammen aus der Jungsteinzeit vor ca. 15.000 Jahren, unter anderem aus einem Grab in Israel.

Wie der Mensch auf den Hund kam

Die Frau und der Welpe, der zusammengerollt auf ihrem Schoß lag, wirkten, als ob sie schliefen. So innig lagen sie ca. 13.000 Jahre beieinander, bis Archäologen ihr Grab im israelischen Ain Mallaha entdeckten. Dass dieser Fund gerade dort gemacht wurde, ist kein Zufall, gehört der Ort doch zu den ältesten Siedlungsplätzen der Menschheit. Und sobald sich der Mensch dauerhaft niederließ, nahm auch seine Freundschaft mit dem Hund endgültig feste Formen an. Das hatte mit dem Müll zu tun.

Essensreste und andere Abfälle locken Mäuse, Ratten und weitere ungebetene Gäste an, die Krankheiten übertragen können. Für nomadische Jäger und Sammler, die heute hier und morgen dort sind, ist das kein Problem, wohl aber für sesshafte Menschen. Auch von den Wölfen fühlten sich die ersten Siedler zunächst belästigt. Bald aber stellten sie fest, dass die zahmeren Exemplare sehr nützliche Helfer sein konnten: Sie machten nicht nur Jagd auf die Nager, sondern vertrieben auch wilde Artgenossen, die es auf Abfälle und Vorräte der Menschen abgesehen hatten. Gegen Kost und Logis fanden die zahmen Wölfe sich bereit, auf Wachhund umzuschulen. Auch als Jagdbegleiter waren sie bald unentbehrlich und – nachdem unsere Vorfahren weitere Wildtiere domestiziert hatten – hüteten sie außerdem Schafs-, Rinder- und Ziegenherden.

Hunde in der Antike – geliebt und gefürchtet

Durch Züchtung und Kreuzung entstanden bis heute schätzungsweise über 800 Hunderassen. Im 4. Jahrhundert v. Chr. unterschied Aristoteles vier Obergruppen: Die Molosser waren große und starke Hof- und Hirtenhunde, die später auch als Jagd- und Kampfhunde eingesetzt wurden. Die Lakonier waren ebenfalls starke, aber kleinere und flinkere Jagdhunde. Die Kreter und Sizilianer waren Windhunde, die man mit Lakoniern gekreuzt hatte, um ihnen mehr Kraft und Ausdauer zu verleihen. Sie sollten Reiter bei der Jagd begleiten und mussten daher ebenso schnell und ausdauernd laufen können wie Pferde. Geschäftstüchtige Menschen veranstalteten mit ihnen die ersten Hunderennen. Und mit den Melitäern – benannt nach der Insel Malta – gab es auch schon kleine Wach- und Schoßhunde für vornehme Damen.

Die Einstellung des Menschen zum Hund, war in der Antike schon ganz ähnlich wie heute. Besonders groß war das Ansehen der Hunde bei den alten Persern, die sie als Wächter gegen böse Geister betrachteten und daher unter Schutz stellten. Römer und Griechen opferten ihren Göttern alle möglichen Tiere, aber nicht ihre Hunde. Und kaum etwas fügte dem Ruf der Karthager bei ihren römischen Erzfeinden so großen Schaden zu wie das Gerücht, dass sie Hunde verspeisten. Bei den Griechen galten Hunde als Verkörperung der Treue: In Homers Odyssee ist der alte Hofhund Argos das einzige Lebewesen, das Odysseus nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg wiedererkennt. Außerdem galten Hunde als besonders klug. Womöglich leitet sich der Name einer der bedeutendsten Philosophenschulen der Antike, die der Kyniker, vom griechischen Wort für „Hund“ („Kyon“) ab.

Natürlich gab es auch damals Menschen, die Probleme mit Hunden hatten. Verwilderte Tiere, die damals überall im Mittelmeerraum anzutreffen waren, jagten Reisenden Furcht und Schrecken ein, balgten sich um Abfälle und machten sich sogar über die Toten auf den Schlachtfeldern her. Sie galten als Sinnbilder für Dreistigkeit und Gemeinheit. Seither wird „Hund“ auch als Schimpfwort benutzt. Nur in Bayern hat sich die ursprüngliche antike Tradition erhalten: „A Hund“ ist dort jemand, dem man zumindest wegen seiner Gerissenheit einen gewissen Respekt zollt.

Die Hunde des Herrn

Das überwiegend positive Bild des Hundes blieb auch im christlichen Mittelalter erhalten. In Stein gemeißelte Hundeköpfe an gotischen Kathedralen sind bis heute sichtbare Zeichen dafür, dass Hunde als Symbole der Treue galten – besonders der Glaubenstreue. Die Dominikanermönche, die sich dem Kampf gegen Ketzerei verschrieben hatten, waren regelrecht stolz auf die Verballhornung ihres Namens als „Domini Canes“, als „Hunde des Herrn“, die Irrlehren schon von weitem rochen.

Ein mittelalterlicher Königshof hätte sich ohne eine Meute prächtiger Jagdhunde blamiert, denn schon damals dienten die treuen Begleiter immer auch der Repräsentation. Und was dem Adel recht war, war dem Bürger nur billig. In der Neuzeit wurde es üblich, sich Hunde auch dann als Haustiere zu halten, wenn man sie nicht als Jagdgehilfen oder Wächter auf dem Bauernhof benötigte. Von der Obrigkeit wurde die häusliche Hundehaltung vielfach als unnötiger Luxus angesehen. So führte England Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals eine Hundesteuer ein. Preußen folgte 1810. Im 19. Jahrhundert waren Hunde in Europas Privathaushalten so weit verbreitet, dass der Gedanke des Tierschutzes immer mehr Anhänger fand. Frankreich etwa verbot 1823 die Nutzung von Hunden als Zugtiere und erließ 1850 das erste Tierschutzgesetz.

Der erste namhafte abendländische Philosoph der sich, angeregt vom Buddhismus, für die Rechte der Tiere einsetzte, war Arthur Schopenhauer. Als großer Hundefreund legte er sich nacheinander mehrere große Pudel zu, die er stets auf den selben Namen taufte: Atman, was auf Sanskrit soviel bedeutet wie „Weltseele“ oder „Lebenshauch“. In Frankfurt galt der Philosoph mit den wohlerzogenen Pudeln als Original und lokale Sehenswürdigkeit. Wenn Atman sein Herrchen wider Erwarten doch einmal verärgerte, handelte er sich das schlimmste Schimpfwort ein, das Schopenhauer kannte: „Du Mensch!“

Wo wir sind, ist auch der Hund

Schopenhauers Witz basiert letztlich auf der Erkenntnis, dass kein Tier uns im sozialen Verhalten so ähnlich ist und uns so gut versteht wie der Hund. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass der Hund von der Steinzeit bis heute, über alle Veränderungen der menschlichen Lebensweise hinweg, stets neue, nützliche Funktionen gefunden hat. Wohin auch immer der Weg des Menschen geführt hat, der Hund war dabei: als Wachhund, als Hütehund, als Jagd- und als Spürhund, als Rennhund, als Schoßhund, als Schlittenhund, als Blindenhund, als Polizeihund, als Familienhund, als Spielgefährte der Kinder, als Tröster der Alten und Einsamen, kurz: als des Menschen bester und ältester Freund.

So ist es nur konsequent, dass uns der Hund im Zeitalter von Computer, Videospielen und Internet auch in die neuen, virtuellen Welten begleitet. Bereits 2005 ist mit Nintendogs ein Videospiel erschienen, das Geschichte geschrieben hat. Das Programm, in dem es um die Erziehung kleiner Hundewelpen geht, war das erste seiner Art, für das sich Mädchen ebenso sehr interessierten wie Jungs. Seit diesem Sommer ist nintendogs + cats auf dem Markt, einer der ersten Titel für den tragbaren Nintendo 3DS. Die neue Spielkonsole ermöglicht es, 3D-Bilder ohne 3D-Brille zu sehen. So wirken die knuffigen Hunde- und Katzenkinder in nintendogs + cats realistischer denn je, wenn sie mit ihren Pfoten scheinbar gegen die Innenseite des Bildschirms tapsen. Auch das Verhalten der jungen Hunde ist sehr realitätsnah. Sie wachsen und gedeihen nur, wenn man sich regelmäßig um sie kümmert.

Tierexperten loben das Programm, weil es Kindern verdeutlicht, was es heißt, für ein lebendes Wesen verantwortlich zu sein. Darüber hinaus sehen sie es als geeigneten Ersatz für den Fall, dass die Haltung eines echten Hundes nicht möglich ist. So können auch Kinder, die beispielsweise an einer Tierhaarallergie leiden, erleben, wie viel Spaß das Leben mit einem Hund macht. Denn Spaß macht das Spiel mit den virtuellen Welpen natürlich auch – genau wie mit ihren Vettern aus der wirklichen Welt.

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